Kreuzigungsszenen I - Matthias Grünewald

Osterkerze, Osterlamm und Osterstrauch mit Ostereiern

Jetzt haben Sie es bald geschafft - die “7 Wochen Ohne” oder “7 Wochen mit” sind bald vorbei und das bedeutet, Ostern ist nicht mehr weit. In den letzten beiden Beiträgen habe ich schon ein paar Tipps für die anstehenden Osterferien gegebene, heute möchte ich Sie schon ein wenig auf die Osterfeierlichkeiten einstimmen - und zwar mit Kunst.

Jedes Jahr kommt wieder irgendein Radio- oder Fernsehsender auf die Idee, Passanten zu fragen: “Was feiert man eigentlich an Ostern und was ist an Karfreitag passiert?” 
Natürlich werden dann nur die Antworten ausgestrahlt, die so falsch sind, dass es schon nicht mehr zu glauben ist, was die Leute antworten. Ich gehe davon aus, dass Sie wissen, was an diesen Tagen passiert ist und falls nicht, dann wissen Sie es nach dem Lesen dieses Beitrags zumindest für den Karfreitag :-)

An Karfreitag wurde Jesus gekreuzigt, es ist sein Todestag. Ich gehe gerne an Karfreitag ins Museum, sofern es geöffnet hat. Jeder Mensch hat ja so seine Ticks und ich finde, dass man an Karfreitag schon eine Kreuzigungsszene ansehen kann.

Wenn Sie in Karlsruhe wohnen, dann haben Sie das große Glück eine sehr beeindruckende Kreuzigungsszene sehen zu können - den sog. Tauberbischofsheimer Altar von Matthias Grünewald 

Mathis Gothart Grünewald 058
Mathias Grünewald [Public domain], via Wikimedia Commons

Zu diesem in den 1520er Jahren entstandenen Altar gehört neben einer Kreuzigungsszene auch die Kreuztragung. Uns interessiert hier die Kreuzigungsszene. Sie hat eine enorme Spannung, die allerdings nicht daher rührt, dass Blut spritzt oder eine vom Schmerz verzerrte Maria vor dem Kreuz liegt oder kauert. Nein, es ist auf den ersten Blick ein ruhiges Bild, klarer Bildaufbau: Das Kreuz bildet die Mittelsenkrechte, Johannes und Maria ruhig neben dem Kreuz angeordnet, Jesus schaut den Betrachter nicht klagend an, der Hintergrund dunkel. Doch diese ruhige Bildkomposition wird gestört durch die expressiv verdrehten Hände Jesu und die sehr stark angespannte Muskulatur des Gekreuzigten. Zudem ist Johannes in Bewegung, sein linker Fuß kommt uns entgegen, fast aus dem Bild heraus. Dieses Zusammenspiel von klarer Komposition und Anspannung der Bewegungen lässt den Blick des Betrachters verweilen. Man kann sich von Jesus und seinem Gesicht, seinen Händen kaum lösen, ebenso fesselt einen das ruhige aber doch von Traurigkeit gezeichnete Gesicht seiner Mutter. Das In-sich-Verharren der Mutter macht dem Betrachter die Hilflosigkeit der Situation, die Ohnmacht bewusst. Ruhe in einer schrecklichen Situation, die alles zerreißen lassen mag, so wie es die Muskulatur Jesu auch spiegelt. Daneben Johannes, der in seiner Verzweiflung agieren möchte, daher der Schritt nach vorne, aber auch nicht weiß wie. So macht diese Kreuzigungsszene die Ereignisse des Karfreitag, die Dramatik der Situation besonders deutlich ohne dabei schreiend zu sein.
Ein Werk, um sich länger damit zu beschäftigen und in den Tagen vor Ostern einen Moment der Ruhe und “Andacht” zu finden.
Dafür steht der Karfreitag - Ruhe. Es soll an diesem Tag keine laute Musik geben, die Menschen sollen Zeit zur Besinnung haben. 
Ob das jeder nutzt, kann man natürlich nicht sagen, und ob es jeder so empfindet auch nicht. Aber vielleicht konnte ich Ihnen jetzt ein wenig Lust machen, sich an diesem Tag mal eine Kreuzigungsszene anzusehen. In der nächsten Woche stelle ich Ihnen ein weiteres Werk dieser Thematik vor -und zwar von P.P Rubens.

Bis dahin wüsste ich noch gerne von Ihnen, ob die Staatliche Kunsthalle Karlsruhe an Karfreitag überhaupt geöffnet ist und ob Sie das Werk Grünewalds ansehen konnten?

Bis dahin!


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