“Zwischentöne” - ZKM und eine Uraufführung

Besucher im Museum, pixabay.com


Wie läuft es mit der Fastenzeit bei Ihnen? Bei mir läuft es gut! Um nicht zu sagen super, denn ich probiere natürlich aus, was ich Ihnen letzte Woche empfohlen haben - “7 Wochen mit Kultur”! Kunststück werden Sie denken, wenn man beruflich mit Kultur zu tun hat, ist nach jedem Arbeitstag alles erledigt. Weit gefehlt, so einfach mache ich es mir natürlich nicht. Es muss schon immer was sein, was ich extra mache und was soll ich sagen - es macht Spaß, denn es reiht sich schön aneinander.
So habe ich zu Beginn des Jahres die Biografie von Marina Abramovic gelesen und habe daraufhin beschlossen, ins ZKM zu gehen und mir erneut und ganz allein die Ausstellung “Feministische Avantgarde” anzusehen. 

In den letzten Jahren bin ich von den Ausstellungen im ZKM nur selten bis gar nicht enttäuscht worden. Im ersten Moment erscheint einem das Haus oft verwirrend, die Ausstellungen im Titel manchmal anstrengend, doch wenn man sich traut - und das kann ich nur jedem und jeder empfehlen - dann wird man mit hohem Kulturgenuss belohnt. 

Die Ausstellung “Feministische Avantgarde” ist nicht allein was für Frauen, die die Frauenbewegung in den 70er-Jahren live erlebt haben. Sie ist für Frauen, Männer, Kinder, alt, jung, Feministin oder Feminist, “Nicht-Feministin” oder “Nicht-Feminist” gleichermaßen geeignet. Die Werke sind beeindruckend, wunderbar in fünf Themengebiete aufgeteilt und sehr inspirierend. Die Ausstellung ist wenig textlastig, auch wenn es am Beginn anders scheint. Text muss sie aber auch nicht viel haben, denn es versteht sich von selbst und ist in vielen Teilen noch brandaktuell. Damit meine ich einerseits die Themen, die Künstlerinnen wie Cindy Sherman oder Valie Export beispielsweise aufgreifen, andererseits aber vor allem die Intention der Kuratorin Gabriele Schor, die “Feministische Avantgarde” in den Kanon der Kunstgeschichte aufzunehmen und Künstlerinnen die Aufmerksamkeit zu verschaffen, die sie verdienen und ihre Werke und Namen für die Nachwelt zu erhalten. 

Simone de Beauvoir, (c) Moshe Milner [CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons
(c) Moshe Milner*



So kommt man von einem Buch zur Ausstellung und von der Ausstellung zum nächsten Buch "Oh Simone! Warum wir Beauvoir wiederentdecken sollten" und zum Blog “Oh, Simone!” beides von Julia Korbik. Sie setzt sich mit der Ikone des Feminismus auseinander. Dabei gewährt sie Einblicke in das Leben Simone de Beauvoirs und vermittelt gleichzeitig die Notwendigkeit unbequem zu sein und nicht zu “kneifen”. 




Doch damit nicht genug der Inspiration in einem einzigen Haus: Der Ausstellung Open Codes des ZKM kann man dann auch einen Besuch abstatten, wenn man schon da ist. Sie beschäftigt sich mit dem Thema Digitalisierung, der digitalisierten Welt und zeigt gleichzeitig ein völlig “verrücktes” Ausstellungskonzept. Denn hier kann man sein, arbeiten, sich unterhalten, ausprobieren, lernen, weitergeben etc. Das Museum reagiert damit auf den Wandel und schafft neue Räume der Bildung. Das alles bei freiem Eintritt. Probieren Sie es aus, nehmen Sie auch Ihre Kinder mit, Ihre Eltern, wen auch immer und tauchen Sie ein in eine Welt, die uns noch sehr fern erscheint aber doch schon sehr real ist. Ich verspreche Ihnen, wenn Sie da raus gehen, dann haben Sie viele neue Anregungen und Aufgaben. Wie Sie sehen, das ZKM ist jede Reise wert, ob lang oder kurz. 

Zuletzt möchte ich Ihnen noch einen Tipp geben, wie Sie “7 Wochen mit Kultur” füllen können: Das vhs-Orchester präsentiert am 25.2.18 um 17.30 Uhr sein Winterkonzert. In diesem Winter mit einer sehr spannenden Sache, denn es wurde eigens ein Stück für das Orchester geschrieben, bei dessen Entwicklung die Orchestermitglieder dabei waren und daher einen ganz besonderen Bezug haben. Für Sie als Besucher ist es ein guter Einstieg in die Zeitgenössische Musik. Ich hoffe, wir sehen uns.


vhs Orchester auf der Seebühne, (c)Jasper Lecon
(c) Jasper Lecon, vhs-Orchester auf der Seebühne


Viel Spaß bei all Ihren kulturellen Aktivitäten!


Bis dahin!


Sandra Müller-Buntenbroich leitet die Kultursparte der vhs Karlsruhe
*Bildrechte: Moshe Milner [CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

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