Fastenzeit - und jetzt?



Willkommen in der Fastenzeit!

Heute ist Aschermittwoch und damit ist alles vorbei... so sagt es zumindest ein Karnevalslied von Jupp Schmitz aus dem Jahr 1953.

Was genau ist vorbei?

Das gute Essen, der Wein, der Flirt... hoppla... da stimmt zumindest in diesem Jahr das Timing nicht! Heute ist auch Valentinstag. Gut, man kann mit seinem Liebsten auch mit einem Kräutertee und einem Süppchen bei Kerzenschein sitzen, aber ganz ehrlich, schön ist das nicht. Eventuell müssten Sie dann die Fastenzeit um einen Tag verschieben, das kann ja bei “7 Wochen ohne” auch nicht so gravierende Auswirkungen haben.

Nun aber mal Scherz beiseite. Tatsächlich beginnt jetzt die Fastenzeit, die Zeit zwischen Karneval/Fasching und Ostern. In jedem Jahr regt die Evangelische Kirche dazu an “7 Wochen Ohne” auch mal auszuprobieren. Dabei geht es aber nicht, wie im Mittelalter und auch lange darüber hinaus, um den Verzicht auf jegliches Vergnügen, ob kulinarisch oder anders gelagert. Die Evangelische Kirche greift in jedem Jahr ein Thema heraus und ermuntert die Menschen es mal “7 Wochen Ohne” diese Sache zu probieren. In diesem Jahr geht es um das “Kneifen”.
Nein, nicht jemanden in die Wange kneifen, sondern um das sich rauswinden, drücken, vermeiden, wie auch immer. Sagen, was zu sagen ist, etwas angehen, was schon lange angegangen werden sollte, auch wenn es unter Umständen unbequem ist. Ein Angebot sich in dieser Zeit zwischen Karneval/Fasching und Ostern selbst zu prüfen und zu fordern.

Sieben Wochen sind eine lange Zeit, das war auch nicht immer so. Bis zum 4. Jahrhundert hatte die Kirche eine Fastenzeit von 2 bis 7 Tagen vorgesehen, dann allerdings wurde diese Zeit auf 40 Tage ausgedehnt, da laut Matthäus 4,2 Jesus 40 Tage und Nächte in der Wüste fastete.
Ich empfehle Ihnen in diesem Jahr die Fastenzeit nicht zu einer Kultur-Fastenzeit zu machen. Drehen Sie den Spieß doch um und gönnen Sie sich 7 Wochen mit... Kunst, Literatur, Theater, Tanz. Jeden Tag ein kleines Zeitfenster für die Kultur öffnen und so neue Dinge entdecken.

Beginnen Sie vielleicht mit der Betrachtung von Bruegels “Kampf zwischen Karneval und Fasten” aus dem Jahr 1559. Im Vordergrund kämpfen Prinz Karneval, sehr beleibt und mit einem Fleischspieß bewaffnet, und Frau Fasten, mager und ein Büßerhemd tragend, miteinander. Außer den beiden stehen sich auch die Kirche und eine Schenke gegenüber. Auf beiden Seiten gibt es viele lustige, bizarre und anklagende Szenen zu bestaunen. So wie die beiden Seiten miteinander kämpfen, so kämpfen auch in der Brust des Fastenden immer zwei Seelen. Das Widerstehen ist oft schwieriger als man zu Anfang denkt.

Dabei fällt mir direkt das nächste Beispiel für ein wenig Kultur ein.
Besuchen Sie in der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe doch mal wieder die Dauerausstellung und statten Sie dem Hl. Antonius einen Besuch ab. Gerade in der Fastenzeit ein ganz beliebter Heiliger, da er in seinen Erzählungen offen über all die Dämonen gesprochen hat, die ihn in entbehrungsreichen Zeiten umgeben.

Und dann kommen da ja noch die Händelfestspiele im Badischen Staatstheater, die die “7 Wochen mit Kultur” auf barocke Art und Weise verschönern.

Sollten Sie es etwas ruhiger mögen, dann widmen Sie sich doch einem guten Buch. Ein besonderer Buchgenuss bietet sich dazu am 17.2. im A&S Bücherland. Wer hat nicht schon mal davon geträumt, eine Nacht umgeben von Büchern zu verbringen, ungestört hier und da reinzulesen und das ganz ohne Zeitdruck? Das können Sie an diesem Abend nach Lust und Laune. Der Eintritt ist sogar frei und zwischendurch gibt es ein wenig Musik.

Sie sehen, sehr schnell finden sich Möglichkeiten, “7 Wochen mit Kultur” zu gestalten und dabei auch Neues zu entdecken und dann gestärkt und motiviert in den Frühling zu starten.

Probieren Sie es und vielleicht berichten Sie uns nach diesen 7 Wochen, was Sie entdeckt haben und ob Sie “7 Wochen mit Kultur” empfehlen würden. Ich würde mich darüber freuen.

Bis dahin!


Sandra Müler-Buntenbroich leitet die Kulturabteilung der vhs Karlsruhe

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