“Ansichten eines Clowns” - warum der Clown eigentlich gar nicht lustig ist.


Helau und Alaaf!!

Es ist wieder soweit, die fünfte Jahreszeit nähert sich ihrem Höhepunkt!!! Was soll ich sagen, mit Erscheinen des Blogbeitrags ist man schon mit einem Bein drin, im Höhepunkt! Denn morgen ist Altweiberfastnacht, Weiberfastnacht oder "Schmotziger" Donnerstag!! Sie erkennen es wahrscheinlich direkt an den vielen Ausrufezeichen ... ich bin nicht nur ein großer Freund der Kultur, ich bin auch ein großer Freund des Karnevals, Faschings oder wie auch immer man das nennen mag.

In jedem Jahr gibt es Trends bei der Kostümwahl, mal sind es Politiker, mal Einhörner, mal bestimmte Märchenfiguren oder spontane Trends wie 2005 Schiedsrichter Hoyzer, um nur mal ein Beispiel zu nennen. Was aber immer bleibt, neben Cowboy und Indianer, ist der Clown.

Als mein Mann und ich überlegten, wie denn unser erstes Kostüm als Familie aussehen solle, griffen wir kollektiv zum Clownskostüm. Da hatte unsere Tochter keine Angst vor uns, es war praktisch für drinnen und draußen und den After-Baby-Body sowieso. Clowns gehen immer - lustig, bunt und einfach schön ... ist das so? Sieht man nicht auch immer wieder Clowns im Karneval, die sich ein eher trauriges Gesicht malen? Steht nicht auch in der Zirkusmanege ab und an ein Clown, der sehr unglücklich ist?

Wie Sie am Alaaf und dem Wort Karneval schon bemerkt haben dürften, feiere ich diese fünfte Jahreszeit in Köln und da fällt einem sofort ein besonderer Clown und seine Ansichten ein - Hans Schnier. Protagonist im Roman “Ansichten eines Clowns” des großartigen Heinrich Böll. Ich liebe diesen Roman, denn er hat mir buchstäblich die Augen geöffnet für eine, die zweite Seite der Medaille. Ich war noch in der Grundschule und sah dieses Buch bei meinem Opa. Zu dieser Zeit liebte ich Clowns, ich hatte einen ganz hübschen mit blauem Overall und vielen bunten Punkten zum Knuddeln. Also fragte ich, ob ich das Buch lesen dürfte, mein Opa fand es nicht verkehrt, ich dann auch nicht, meine Eltern hielten sich raus. Wie Sie sich denken können, war es nicht der richtige Stoff für ein Kind im Grundschulalter, die Sprache zu schwer, die Worte kannte ich teilweise nicht und vor allem war es nicht lustig. Ich habe dann aufgehört zu lesen, das Buch habe ich aber bis heute nicht wieder zurück gegeben. Von da ab hatte ich zumindest verstanden, dass Clowns nicht immer lustig sind, denn mein Opa hat mir das Spiel mit der Maske dann wenigstens erklärt.

Hinter der lustigen (heilen) Fassade steckt manchmal viel Traurigkeit. Natürlich habe ich Bölls Roman einige Jahre später dann gelesen und verstanden, und ich habe diese Auseinandersetzung mit dem Clown auch in der bildenden Kunst gefunden. Sie hat mich auch immer wieder fasziniert und tut es bis heute. Schuld daran ist tatsächlich Böll. Vor knapp 8 Wochen wäre Heinrich Böll 100 Jahre alt geworden, ein Grund mehr sich mal wieder mit den “Ansichten eines Clowns” zu beschäftigen, denn nach dem Karneval folgt die Fastenzeit und zu viel guter Laune gehört auch immer die Nachdenklichkeit, manchmal auch Melancholie. Doch dazu mehr in der nächsten Woche und bis dahin - lachen Sie, schunkeln Sie, tanzen Sie und singen Sie!

Alaaf und Helau!!


Sandra Müller-Buntenbroich leitet an der vhs die Kulturarbeitung und ist als bekennende Karnevalistin in der Fastnachtszeit immer im Rheinland unterwegs.

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