Kinder im Museum

Bild mit zwei kleinen Mädchen in einer Mammutausstellung
Mit Kindern im Museum

Seit ich in Karlsruhe lebe, habe ich jeden Herbst das Glück gehabt, einen wunderschönen “Altweibersommer” erleben zu dürfen. Es wird zwar morgens und abends recht frisch, aber tagsüber scheint die Sonne und die Natur leuchtet in vielen Farben. Das ist toll, obwohl man weiß, dass die nassen und kalten Tage ohne Sonne auch nicht mehr lange auf sich warten lassen werden. 

Da stellt sich gerade mit Kindern die Frage: Was tun? Vor allem am Wochenende, wenn mehr Zeit vorhanden ist und man gemeinsam Dinge erleben kann. Ich gehe dann auch gerne ins Museum. Klar, es geht auch ins Naturkundemuseum, wo es für die Kinder in jedem Fall eine Menge zu entdecken gibt. Aber ich gehe auch regelmäßig in ein Kunstmuseum und das schon von Anfang an. Als meine Tochter ein Baby war, war es tatsächlich auch ganz unkompliziert, da sie im Tragetuch schlief, während ich durchs Museum schlenderte. Irgendwann kam die Zeit, da guckte sie zufrieden aus dem Tuch raus und dann kam die Zeit - vor der viele Angst haben - als sie lief und richtig gucken wollte.

Wenn es soweit ist, sollte man aber keinesfalls beschließen, das Museum zu meiden. Warum auch? Weder als Kleinkind noch heute als Schulkind muss sich meine Tochter allerdings kunsthistorische Vorträge über Künstler, Epochen und Stile anhören. Wenn Sie mal den Museumspädagogen in den Museen zuhören, die dort mit kleinen Besuchern durchspazieren, dann werden Sie feststellen, dass es wichtig ist, die Kleinen reden zu lassen. Hören Sie sich an, was ihr Kind zu einem Bild oder einer Skulptur zu sagen hat, fragen Sie nach, belehren Sie nicht, lassen Sie Ihr Kind das Gefühl haben, dass es der Experte ist. So entwickeln sie Kinder schon früh Spaß daran, sich die Sachen genau anzusehen, etwas zu entdecken, das sie den Eltern, Geschwistern, Freunden zeigen können.
Natürlich möchte man selber manchmal auch bei dem ein oder anderen Werk seine Ruhe haben oder ein wenig Zeit verbringen und das ist auch kein Problem. 


ausgestellte Steiff-Stofftiere
"Zähle alle Tiere im Raum"

"Geben Sie ihrem Kind eine Aufgabe: male ein Selbstporträt von Dir, zähle alle Tiere hier im Raum, welche Farben findest Du? Geben Sie ihrem Kind ein Thema für ein eigenes Kunstwerk, das es mit einem kleinen Blatt und einem Stift auch bequem neben Ihnen auf dem Boden malen bzw. zeichnen kann, während Sie in Ruhe schauen."

Es gibt viele Möglichkeiten, die Kinder mit einbeziehen und aus dem Museumsbesuch ein gemeinsames Erlebnis machen, u.a. wunderbare Malbücher zu einzelnen Künstlern, vielleicht finden Sie eins, das gerade zu der besuchten Ausstellung passt. 

"Manchmal zerschneide ich eine Postkarte oder mehrere mit Abbildungen von Kunstwerken, die in der Ausstellung zu sehen sein werden und schicke meine Tochter los, das ganze Werk zu suchen und dann zu beschreiben."

Auch die Audioführungen für Kinder sind in vielen Museen sehr gut und ermöglichen, dass Sie direkt vor einem Kunstwerk mit ihrem Kind besprechen, was es erfahren hat. Vielleicht können Sie die Begeisterung für Kunst auch wecken, wenn Ihr Sohn oder Ihre Tochter schon vorher mit Kunst in Berührung gekommen ist, z.B. in einem Kurs, der Theorie und Praxis vereint und das Interesse weckt, noch mehr zu entdecken. Bei der JUKKS sorgt das Programm rund um unsere Fee Liphi und den Pan Fizz für Spaß an Kunstgeschichte, Literatur und Philosophie, Film und Foto.

Ich gebe zu, dass es Umstände gibt, die den Kindern den Museumsbesuch madig machen und damit auch den Eltern - leider sind es oft die äußeren Umstände und nicht die Kinder.
Manche Häuser möchten nicht, dass man sich anders als im Flüsterton unterhält oder haben Angst vor Kindern, die alleine vor einem Werk stehen. Das ist schade, denn eigentlich sind Museen ein Ort des Austauschs und der Bildung. Wie soll das gehen, wenn man nicht richtig sprechen darf?

Ermutigen Sie Ihr Kind also normal zu sprechen, lassen Sie es lachen und auch mal ein wenig schneller laufen. Die Regel, dass man die Werke nicht anfassen darf, kann man Kindern meist plausibel erklären - im Zweifelsfall muss man das am Eingang des Museums jedesmal erneut wiederholen. Auch sollte die Zeit im Museum nicht unendlich lang sein, das finden auch viele Erwachsene anstrengend. Ein Besuch im Café kann stärken und eventuell eine weitere Runde im Museum versüßen.

Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim nächsten Museumsbesuch!

Sandra Müller-Buntenbroich 
Fachbereichsleiterin Literatur, Musik, Kunstgeschichte, Zeichnen und Malen der vhs Karlsruhe

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