Frauen in der Kunst

 © pixabay:woman-940048_1920.

“Feminismus in Kunst und Kultur” lautete das Thema des letzten Kulturfrühstück der Stadt  Karlsruhe und “Feministische Avantgarde der 1970er Jahre” wird eine Ausstellung des ZKM ab November heißen, die sich mit dem Thema Frauen in der Kunst beschäftigt. 

Bei dem Wort Feminismus zucken noch immer viele Menschen zusammen und gerne wird es in eine Schublade gesteckt, mit deren Inhalt viele glauben, nichts zu tun zu haben oder zu tun haben zu wollen. Oftmals werde ich bei kunsthistorischen Vorträgen und Seminaren gefragt: “Gab es keine Künstlerinnen in der Zeit?” Natürlich gab es sie, schon immer und zu allen Zeiten. Doch mussten sie oft im Verborgenen arbeiten, in den Werkstätten ihrer Väter und Brüder oder Ehemänner. Eine offizielle Ausbildung war nicht gerne gesehen, wurde ihnen das Kunstschaffen erlaubt, dann nur auf ein sehr eingeschränktes Themenfeld bezogen. Akademien zu besuchen war Frauen  lange nicht gestattet und und wenn sie es schafften an privaten Einrichtungen eine künstlerische Ausbildung zu absolvieren, wurde ihnen sehr deutlich gemacht, dass sie sich mit diesem Entschluss von der Möglichkeit eine Ehe zu führen und Kinder zu bekommen verabschieden müssten. Erschwerend für die kunsthistorische Dokumentation war sicherlich lange eine rein männlich dominierte Kunstgeschichtsschreibung. 

Ein Problem zwischen Mittelalter und Moderne mögen manchen nun denken, doch weit gefehlt. Zwar haben heute Frauen in weiten Teilen der Erde die Möglichkeit Künstlerinnen zu werden, Akademien zu besuchen und Themen zu wählen, die sie interessieren, doch die Zahl der Frauen, die öffentliche Aufträge erhalten ist geringer als die der männlichen Kollegen. 

"Auf großen Kunstmessen sind Künstlerinnen weniger vertreten als Künstler, in Galerien, Museen und Ausstellungshallen ebenso."

Dies liegt aber nicht daran, dass es generell weniger Künstlerinnen als Künstler gibt. Der Anteil der Studentinnen ist sogar ein wenig höher als der der Studenten.
Spielt also das Geschlechterdenken auch heute noch eine große Rolle? 

Anscheinend schon, und das obwohl vor 40 Jahren die Frauen in der Kunst  - und zwar als Künstlerinnen und nicht als Muse und Modell - ihre Positionen gegen einen männlich dominierten Kunstmarkt und eben jene Kunstgeschichtsschreibung verbesserten und für eine stärkere Wahrnehmung der Frau als Künstlerin kämpften. Die wird sich diesem Kampf der Frauen in der Kunstwelt annehmen und zeigen, wie wichtig es in dieser Zeit der 1970er Jahre war, die Stellung der Frau in der Kultur aber auch in der Gesellschaft als Thema aufzunehmen. 


Die Problematik heute scheint allerdings eine andere als vor 40 Jahren. Die Gleichberechtigung ist für viele abgeschlossen - zumindest weitestgehend - und somit bei vielen Sammlern, Kulturinteressierten und Kulturschaffenden auf der Themenliste etwas abgerutscht. Doch die Zahlen, wie oben erwähnt, spiegeln etwas anderes. Themen, die wie in den 1970er Jahren und in welcher Form auch immer, Frauen als Opfer zeigen gehen auch heute noch relativ gut.

Was aber ist, wenn
der Kampf der Frau in der Gesellschaft gar nicht das Thema einer Künstlerin ist oder das Thema Frausein generell nicht relevant für das eigene Werk? Dann scheint es für Frauen nur sehr schwer zu sein, ihr Publikum zu finden. Schade, denn bei der Betrachtung oder Rezeption eines Kunstwerks sollte das Geschlecht des Kunstschaffenden nicht die Hauptrolle spielen. Achten Sie doch beim nächsten Museumsbesuch einfach mal auf die Werke, die von Frauen geschaffen wurden ;-)!

Und falls Sie das Thema interessiert, sollten Sie die Ausstellung ab 18. November 2017 im ZKm besuchen und am 23. Januar 2018 den Vortrag “Künstlerinnen - Verehrt, vergessen und wiederentdeckt” in der vhs Karlsruhe.

Sandra Müller-Buntenbroich 
Fachbereichsleiterin Literatur, Musik, Kunstgeschichte, Zeichnen und Malen der vhs Karlsruhe

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