Wer liest denn noch?

Lesen mit Kindern - (c)dassel, pixabay.com



„Bücher lesen heißt, wandern gehen in ferne Welten, aus den Stuben, über die Sterne.“
(Jean Paul)

Haben auch Sie die Sommerferien genutzt, um mal wieder ein wenig mehr Zeit zum Lesen zu haben? Im Urlaub kann man sich vertiefen, steht nicht unter Zeitdruck und kann so lange und so viel lesen wie man mag. Manchmal trauere ich der Zeit hinterher als man sich ganze Nachmittage in den Welten seiner Heldinnen und Helden verlieren konnten. 

Das ist nun schon ein wenig her, aber Zeit für Literatur muss immer sein, auch wenn sie heute limitierter ist. Es muss ja auch nicht immer ein großer Roman sein, auch Kurzgeschichten und die Lyrik entführen einen in wunderbare Welten. Literatur kann einem Denkanstöße geben, wie auch ein Theaterstück, die Bildende Kunst oder Musik; sie lässt den Alltag vergessen oder besser verstehen, sie regt die Fantasie an und schaltet das Kopfkino ein. Lesen bildet und zwar nicht nur Kinder, es unterstützt auch den Erwachsenen dabei, andere Positionen und Meinungen zu verstehen, da das Lesen das Hineinschlüpfen in andere Rollen schult. Natürlich fördert es auch die Konzentration und man hat festgestellt, dass Menschen, die viel lesen, seltener an Demenz leiden.

Immer wieder wird allerdings behauptet, dass das Lesen nicht mehr im Trend liege und die Kinder und Jugendlichen immer weniger lesen würden. Tatsächlich kommen Studien aber zu der Erkenntnis, dass noch viel gelesen wird, vielleicht etwas anders als früher – und damit ist nicht nur das E-Book gemeint – aber es wird noch gelesen.

Richtig und vor allem wichtig ist, dass man schon den kleinsten „Lesern“ Freude an dieser Tätigkeit vermittelt, und das beginnt schon lange bevor die Kinder selber lesen können. Dies ist auch ein Anliegen des bundesweiten Vorlesetages, bei dem jede und jeder mitmachen und sich in seinem Umfeld engagieren kann. Der nächste Vorlesetag ist schon am 17.11.2017. Weitere Infos finden Sie unter  www.vorlesetag.de.

Ein Ereignis, das etwas näher liegt, ist die Frankfurter Buchmesse im Oktober, bei der sich Literaturfreunde wie im Paradies fühlen können, den Erschaffern ihrer Traumwelten manchmal ein Stück näher kommen und sich für die kältere Jahreszeit und längeren Abende mit Literaturtipps versorgen können.
Bei solchen Events merkt man, dass Literatur nicht automatisch Einsamkeit und Rückzug bedeuten muss. Der Austausch über Literatur ist manchmal genauso spannend wie das Lesen selbst. Das scheint mir auch der Grund zu sein, wieso Literaturclubs, Buchclubs, Literaturkreise etc. immer noch sehr guten Zulauf haben. 

Auch unser Literaturclub an der vhs Karlsruhe unter der Leitung von Monika Miller erfreut sich großer Beliebtheit. Gemeinsam werden die Werke ausgewählt und dann besprochen, diskutiert und „auseinander genommen“. Eine schöne Art des Zusammenkommens und des Austauschs bei dem Alter, Herkunft etc . keine Rolle spielen, da alle Clubmitglieder die gleiche Leidenschaft teilen – das Lesen!

Literaturtage-karlsruhe.de
In Karlsruhe zeigt sich diese Freude an Literatur und dem Lesen ebenfalls immer im Herbst und zwar bei den Literaturtagen. In diesem Jahr zum 5. Mal bietet „Literatur Offensiv“ vom
29. September bis zum 6. Oktober eine große Bandbreite an Literatur. 

Eine meiner großen Entdeckungen war vor drei Jahren Poetry Slam. Darüber hatte ich schon öfter gelesen, aber noch nie hatte ich es live erlebt. Und es ist ein Erlebnis, und zwar aus zwei Gründen: 1. die wunderbare Inszenierung von selbst geschriebener Literatur und 2. die hohe Anzahl an jungen Performern aber auch Zuschauern. Wer also sehr davon überzeugt ist, dass junge Menschen nicht lesen oder gar schreiben, sollte unbedingt einen Poetry Slam besuchen!  Ein erhellendes Ereignis, das Freude macht.

Dass junge Leute gerne mit Sprache spielen und wunderbar schreiben können, zeigt aber auch der Lyrik Kurs SchreibARTen der vhs. Hier finden Lyriker von jung bis alt seit vielen Jahren zusammen. In jedem Herbst publizieren sie gemeinsam einen Gedichtband. Aus diesem lesen sie am 1.10. um 11 Uhr in den Räumlichkeiten des Literaturhauses im Prinz-Max-Palais. Umrahmt wird die Lesung von zwei Jazzmusikern, die einem so einen schönen Start in den Sonntag bescheren, wie ich finde. 

In einem Zeitungsartikel habe ich mal von einer Redakteurin gelesen, die sich bei großem Stress mehrere Tage in einem Hotel mit ganz viel Literatur einquartiert und danach entspannt und relaxt wieder an die Arbeit kann.

Eine schöne Vorstellung … im Netz habe ich dazu sogar passende Hotels  gefunden … geben Sie doch einfach mal „Buchhotel“ in eine Suchmaschine ein!
Viel Spaß beim Lesen!



von Sandra Müller-Buntenbroich

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