Die Grand Tour - Eine interessante Art des Reisens


Schwetzinger Schlossgarten, Badhaus
Reise durch den Schwetzinger Schlossgarten, (c) Beatrice Winkler


Herzlich willkommen zurück!
Die Ferien nähern sich ihrem Ende, der Sommer hoffentlich noch nicht.

Ich hatte in diesem Sommer drei Wochen Urlaub und habe mir in dieser Zeit fremde Länder und Kulturen angesehen, Bauwerke aus anderen Zeiten, fremdes Land und fremde Leute kennengelernt. Ich glaube, so geht es den meisten Menschen – es stehen ein paar Wochen zur Verfügung im Jahr, die wir, wenn wir möchten, anderen Kulturen widmen können und aus denen wir viele Inspirationen für die eigene Kreativität mitnehmen in den Alltag.
Doch das war nicht immer so – also nicht so streng limitiert ;-)

Gemeint ist die sogenannte Grand Tour, nein nicht das Automagazin! Es geht um eine Reiseform, die sich besonders im 17. und 18. Jahrhundert großer Beliebtheit erfreute.
Einer der bekanntesten Weltenbummler einer solchen Grand Tour war Goethe.Tischbeins Porträt von Goehte auf seiner Reise, die sie ein Stück gemeinsam unternommen haben, finden Sie in der Rubrik “Werk des Monats” auf unserer Kulturseite

Schlossgarten in Schwetzingen
Schlossgarten Schwetzingen,
(c) Beatrice Winkler
Schon im Mittelalter war es für Adelige und auch Künstler wichtig, sich die Kunstwerke anderer Länder anzusehen, zu erforschen und die Erkenntnisse nach der Reise in die eigene Arbeit einfließen zu lassen. Im 16. Jahrhundert wurde Reisen für Adelige und im 17. Jahrhundert auch für das Bürgertum zwischen dem 17. und 21. Lebensjahr zur unerlässlichen Tätigkeit. Ziel einer solchen Grand Tour war es, Europa kennenzulernen. Im 18. Jahrhundert, bedingt durch die Aufklärung, nahm das Interesse an fremden Kulturen zu und die Grand Tour wurde auch auf die Seidenstraße erweitert.

Das konnten sich natürlich nur sehr wohlhabende junge Männer leisten, denn eine solche Reise unternahm man nicht allein. Die Reisegruppe um den Jüngling bestand aus einem erfahrenen Reisebegleiter und einigem Personal. Die Reise konnte zwischen einem halben Jahr und mehreren Jahren dauern. Zur Fortbewegung diente die Kutsche. Natürlich war das nicht ganz ungefährlich, denn oftmals lauerten Räuber der Reisegruppe auf und schwere Kutschenunfälle waren keine Seltenheit.

Auf der Grand Tour wurden die Erlebnisse der Reise schriftlich festgehalten - in einer Art Reisetagebuch. Für die Kunstgeschichte ist das heute eine wunderbare Quelle, denn dort wurden häufig Kunstwerke beschrieben, die sich noch an ihrem eigentlichen Bestimmungsort befanden und nicht in einem Museum.

Reisetagebücher waren nicht selten auch mit Skizzen bestückt, die die Sehenswürdigkeiten, wie Tempelanlagen in Griechenland oder Kirchen in Italien zeigten.
Im 19. Jahrhundert wurde aus der sehr aufwendigen Grand Tour die Bildungsreise, die weit weniger aufwendig und damit auch kostengünstiger ausfiel.

Eine wunderbare Vorstellung, wie ich finde, eine lange Zeit durch Europa zu reisen und Land und Leute zu studieren.

Schlossgarten Schwetzingen
Ende der Welt, Schlossgarten Schwetzingen,
(c) Beatrice Winkler
Leider ist das den meisten Menschen nicht vergönnt, aber die Möglichkeit persönliche Eindrücke schriftlich und in Zeichnungen festzuhalten, gibt es immer noch, und sie ist in Zeiten der Digitalisierung eine schöne Art der Entschleunigung oder auch eine perfekte Art Analoges und Digitales zu kombinieren.

Vielleicht haben Sie Lust auf Ihrer nächsten Reise
ein Skizzenbuch zu erstellen oder etwas über Reisefotografie zu lernen, dann schauen Sie doch
ab Herbst bei uns in der vhs vorbei und bereiten
sich ganz in Ruhe auf die nächste Reise vor
.

Falls Sie in diesem Jahr in Italien waren, dann lege ich Ihnen einen Vergleich Ihrer Reiseeindrücke mit denen von Goethe oder John Milton nahe. So hält das Urlaubsgefühl vielleicht ein wenig länger! 


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